Franz Böhmert gestorben
Werder Bremens Aufsichtsratsvorsitzender erliegt Schlaganfall
Meister Werder Bremen trauert um seinen "Doktor", der deutsche Fußball um einen seiner verdientesten Funktionäre. Dr. Franz Böhmert, Aufsichtsratschef und langjähriger Präsident der Hanseaten, starb am Dienstag im Alter von 70 Jahren an den Folgen eines schweren Schlaganfalls. Der frühere Klinikdirektor hinterlässt seine Frau und eine Tochter.
»Mit Franz Böhmert verliert der deutsche Fußball eine herausragende Persönlichkeit. Ich trauere um einen guten Freund und Weggefährten, auf den stets Verlass war« Mayer Vorfelder
Böhmert war von 1970 bis 1999 Präsident der Hanseaten und dabei entscheidend an den erfolgreichsten Werder-Jahren beteiligt. So fiel mit dem Gewinn des Europapokals der Pokalsieger (1992) der größte Vereinserfolg in seine Ägide. Zudem wurde Werder unter seiner Führung zweimal Meister (1988 und 1993) sowie dreimal Cupsieger (1991, 1994 und 1999).
Erfolgreiche Ägide
Begonnen hatte Böhmerts grün-weiße Karriere aber bereits 1963 - pünktlich zum Start der Fußball-Bundesliga - als junger Mannschaftsarzt. Seit seinem Rückzug als Werder-Präsident fungierte er weiter als Aufsichtsratsvorsitzender und durfte im Mai noch den Doublegewinn miterleben.
Auch auf nationaler Ebene stand er in der Verantwortung. Von 1987 bis 2000 war er Vorstandsmitglied im DFB-Ligaausschuss sowie von April 2000 bis Oktober 2004 Mitglied im DFB-Vorstand. Nach Gründung des Ligaverbandes und der Deutschen Fußball Liga GmbH (DFL) gehörte der gebürtige Gröninger (Sachsen-Anhalt) bis in den Herbst dieses Jahres sowohl dem Vorstand des DFB als auch dem Vorstand des Ligaverbandes an. Dr. Böhmert war Ehrenmitglied des DFB und der DFL sowie Träger der Goldenen DFB-Ehrennadel.
Herausragende Persönlichkeit
"Mit Franz Böhmert verliert der deutsche Fußball eine herausragende Persönlichkeit. Ich trauere um einen guten Freund und Weggefährten, auf den stets Verlass war. Franz Böhmert hat als Präsident von Werder Bremen Beachtliches geleistet. Außerdem bin ich ihm besonders dankbar für die jahrelange, vertrauensvolle Zusammenarbeit im Ligaausschuss. Wir hatten stets ein offenes, von gegenseitigem Vertrauen geprägtes Verhältnis, das die Basis bildete, um viele Sachfragen im Interesse des gesamten deutschen Fußballs zu lösen und neue Ideen voranzutreiben", beschrieb DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder seinen langjährigen Kollegen.
Der frühere Anästhesist am Krankenhaus "Links der Weser" zog es stets vor, sich im Hintergrund aufzuhalten. Dabei zahlte es sich aus, dass er auch in schwierigen Phasen zu Erfolgstrainer Otto Rehhagel gestanden hatte. Der Mediziner war die einzige wirkliche Vertrauensperson, die der permanent misstrauische Coach in seinen 14 Bremer Jahren ernsthaft an sich heranließ. "Nach nur einem Gespräch wusste ich, dass Rehhagel unser Mann ist", hatte der Hobby-Modelleisenbahner einmal gesagt.
Stadionkunde ist König
Bei allen Erfolgen hatte Böhmert aber auch nie seine bittersten Stunden vergessen: "Der Abstieg 1980 war eine schlimme Erfahrung, auch wenn nach dem sofortigen Wiederaufstieg eine äußerst erfolgreiche Zeit begann." Persönlich enttäuscht war der ehemalige Chefarzt von der Entscheidung gegen das runderneuerte Weserstadion als WM-Arena für 2006. Auch der Frust über seinen Ex-Manager und langjährigen persönlichen Freund Rudi Assauer blieb in Erinnerung, als dieser Ailton und Mladen Krstajic im vergangenen Jahr von der Weser zu Schalke 04 lockte.
Doch obwohl der "Doktor", wie er in der Werder-Familie seit Jahrzehnten genannt wurde, die Brisanz bei den Transferbemühungen Assauers total unterschätzt hatte, nahm Böhmert den teuren Lapsus niemand krumm. Als er bei der Jahreshauptversammlung 2003 die Vertrauensfrage stellte, votierte kein einziges Vereinsmitglied gegen den einstigen Klub-Boss. Bremens Ex-Manager Willi Lemke damals: "Unser Doktor hat einen Fehler gemacht, aber das wiegt seine Verdienste um den SV Werder bei weitem nicht auf."
In Böhmerts Bremer Ägide entstanden zu Beginn der 90er Jahre erstmals in einem deutschen Stadion Logen für die betuchteren Zuschauer. Das passte zu seiner Fußball-Philosophie: "Wir dürfen nicht total fremdbestimmt sein. Der Stadionkunde ist der Wichtigste, erst dann kommen Sponsoren und das Fernsehen."
Quelle:
ZDF
Mein Beileid allen Angehörigen!